Die Entdeckung der Langsamkeit

Interview von Radio Eins – Coburg

direkt vom Kronacher Freischießen

KUTSCHENFAHRT Urlaub einmal anders:Helmut Schiffner aus Küps und acht Gleichgesinnte sind mit ihremPferdegespann imFrankenwald unterwegs.

Küps — Ein eher ungewöhnliches Hobby lässt Helmut Schiffner aus Küps, Geschäftsleiter von Datex-Perfekt, in diesen Tagen den Frankenwald einmal etwas anders erkunden: das Fahren mit der Pferdekutsche. Zusammen mit acht weiteren begeisterten Kutschern fährt er drei Tage lang umher. Gezogen wird die Kutsche der Gruppe von den zwei sieben Jahre alten Pferden Fritz und Flori , die jeweils zirka 850 Kilo auf die Waage bringen. Schiffners Reisegruppe, die ausschließlich aus Männern und Jungen besteht, ist altersmäßig stark gemischt. „Zusammen sitzen hier 165 Jahre Kutschenerfahrung“, erklärt Schiffner. „Der älteste von uns ist 79 und der jüngste 14 Jahre alt.“

Von ihrem Nachtlager in Hain aus, wo sie in Indianerzelten schlafen, fahren die Männer jeden Tag eine andere Strecke. Vierzehnheiligen bei Staffelstein oder das Kronacher Freischießen waren ihre Ziele.


„Man erlebt die Landschaft viel intensiver,
wenn man so langsam voran kommt.“

HELMUT SCHIFFNER

Dadurch, dass ihre Pferdekutsche nur sechs bis acht Kilometer in der Stunde und nicht mehr als 50 Kilometer am Tag schafft, ist ihr Urlaub kein gewöhnlicher, sondern ein ganz besonderer. „Man erlebt die Landschaft viel intensiver, wenn man so langsam voran kommt und das ist wirklich schön, denn man sieht Dinge, die man normalerweise gar nicht wahrnimmt.“, staunt Schiffner, der seinen Kutscherführerschein erst im März diesen Jahres bei Fahrlehrer Rudi Then gemacht hat. Dieser Führerscheinkurs dauert zwei Wochen und besteht aus einem Theorieund Praxisteil. Abgeschlossen ermit einer Prüfung mit theoretischem und praktischem Teil im öffentlichen Verkehr. „Am Anfang dachte ich nicht, dass es wirklich etwas mit einer richtigen Prüfung zu tun hat. Aber schon am zweiten Tag habe ich mir sämtliche Fachbücher gekauft“, gesteht Helmut Schiffer. „Wenn man den Kutscherführerschein gemacht hat, kennt man sich mit allem gut aus und damit sinkt die Gefahr eines Unfalls mit der Kutsche“, erklärt Rudi Then, der regelmäßig Kutsche fährt und sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Im Steigerwald macht er Kutschfahrten für Hotels und Veranstaltungen mit insgesamt sechs Kutschen. „Das istUrlaub imFrankenwald von einer ganz anderen Seite. Nur zu empfehlen.“, schwärmt Helmut Schiffner und freut sich schon, wenn er das nächste Mal die Pferde lenken darf.

Quelle:  Fränkischer Tag VON UNSERER MITARBEITERIN ANNA-SOPHIE REIER